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Städtische Sammlungen Freital

Die Städtischen Sammlungen Freital gehören heute zu den größten nichtstaatlichen Museen des Freistaates Sachsen. Das einstige Rittergut Burgk, seit dem 14. Jahrhundert als Herrensitz bekannt, im 19. Jahrhundert glanzvoller Wohnort und administrativer Mittelpunkt der Freiherrlich von Burgkschen Steinkohlenwerke, beherbergt heute einen Museumskomplex mit unterschiedlichen Sammlungs­schwerpunkten.

Im Hauptgebäude wird der über 450-jährige Steinkohlenbergbau der Region dokumentiert. Darin eingebettet finden sich maßgebliche Aussagen zur Stadt- und Regionalgeschichte und zur Historie des im 19. Jahrhundert durch die Romantiker gefeierten Plauenschen Grundes. Eine nachgestaltete Untertagesituation im Nordflügel des Objektes dokumentiert den WISMUT-Bergbau des Jahres 1945 bis 1989. Ein zugehöriger Technikgarten lässt in Form einer Freiluftpräsentation den Bergbau der unmittelbaren Nachkriegszeit wieder aufleben. Das einzige Besucherbergwerk zur Dokumentation des frühindustriellen Steinkohlenbergbaus Sachsens befindet sich im Park des Komplexes.

Den zweiten bedeutenden Schwerpunkt setzen zwei hochkarätige Sammlungen zur sächsischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Städtische Kunstsammlung zeigt Werke die im Zeitraum von etwa 1890 bis 1950 entstanden sind. Glanzpunkte bilden neun Gemälde von Otto Dix. Auch der gesamte Umkreis des Künstlers ist mit Werken von Wilhelm Lachnit, Pol Cassel, Conrad Felixmüller, Otto Lange, Curt Querner, Ewald Schönberg und vielen anderen hervorragend vertreten. Die Lehrer der Dix-Generation werden durch bedeutende Werke von Carl Bantzer, Gotthardt Kuehl, Richard Müller, Sascha Schneider, Ludwig von Hofmann und Oskar Zwintscher vorgestellt.

Sonderausstellungen zur Dresdner Kunst sowie zur Bergbau- und Regionalgeschichte runden das Ausstellungsprogramm ab.

Entspannung vom Museumsbesuch bieten der romantische Park sowie ein Besuch im Schlosscafé.

Ein besonderes Highlight bildet als Leihgabe des Siemens-Forum München die erste elektrische Grubenlok der Welt „Dorothea“ die ab 1882 im Einsatz war.

Die Jüngsten unter den Bergbaufans kommen auf dem großen Erlebnisspielplatz „Burgkania“ auf ihre Kosten. Spielerisch und kreativ können die Kinder die Welt des Bergbaus entdecken und erleben.

Ausstellungen

Ausstellungen zur Industrie- und Regionalgeschichte

Im ehemaligen Herrenhaus des Burgker Rittergutes, einem eklektizistischen Bau von 1846, wird die Regionalgeschichte der heutigen Freitaler Region anhand interessanter Exponate und künstlerischer sowie fotografischer Darstellungen vermittelt. Im Museum kann man neben dem über Jahrhunderte bedeutsamen Steinkohlenbergbau dem Werden und Wachsen der Stadt am Fuße des Windberges nachspüren. Die im Oktober 1921 von Sozialdemokraten gegründete Arbeiterstadt hatte ihren Ursprung in verträumten Dörfern entlang der Weißeritz, deren Industrialisierung innerhalb weniger Jahrzehnte, forciert durch den Steinkohlenbergbau, rasch zur Urbanisierung führte.

Tatkräftige Unternehmer kamen vor allem der Steinkohle wegen ins Weißeritztal, doch bald wuchsen neben den Bergwerken erste frühindustrielle Fabriken heran. So errichtete der aus dem preußischen Ausland zugewanderte Reichsgraf von Hagen 1802 die erste deutsche Glasfabrik auf Steinkohlenbrand – Basis im heutigen Freital-Potschappel. Ein anderer war der Chemiker Gottfried Reichardt, der 1822 den Bau seiner Chemiefabrik gemeinsam mit seiner Ehefrau Wilhelmine durch vorangegangene publikumswirksame Ballonfahrten finanziert hatte. Der von den Essener Krupp-Stahlwerken gezielt in die heutige Freitaler Region eingewanderte Johann Nesselrode gründete gemeinsam mit dem ehemaligen Direktor der von Einsiedelschen Eisenhüttenwerke Lauchhammer Eduard Traudtschold 1855 die Döhlener Gussstahlfabrik, bis heute ein erfolgreicher Stahlstandort unter der BGH Edelstahl Freital GmbH. Für Eisenbahnfreunde finden sich in der Ausstellung interessante Details zur Albertbahn zwischen Dresden und Tharandt sowie zu deren Zweigbahnen auf die links und rechts der Weißeritz gelegenen Höhenzüge hinauf, die ab 1855 hervorragende infrastrukturelle Anbindungen für den aufstrebenden industriellen Ballungsraum schufen. Wie die gemeinsame Nutzung der Wasserkraft der Weißeritz und der Schutz vor deren Hochwässern, die gemeinschaftliche Lösung der Energieproblematik und des Personenverkehrs zu Wegbereitern der Stadt wurden, kann der interessierte Besucher genauso entdecken wie Einblicke in die dichte und weitgefächerte Industrielandschaft der zu DDR-Zeiten als „Tal der Arbeit“ bezeichneten Stadt Freital.

Bergbauliche und geologische Ausstellungen

Auf dem Gelände des ehemaligen Burgker Rittergutes befinden sich umfängliche bergbauhistorische Ausstellungen zum über 500 Jahre währenden Bergbaugeschehen, welches in verschiedenen Zeitepochen auf die energetische, chemische und radioaktive Nutzbarkeit der Steinkohlen des Döhlener Beckens abzielte. Zwei Sagen berichten geheimnisvolle Dinge von den Steinkohlen der heutigen Freitaler Region und ein Steinkohlen-Privileg von 1542 von frühneuzeitlichen Unternehmer-Allianzen. Im Burgker Anwesen, dem einstigen glanzvollen Wohnsitz und administrativen Mittelpunkt, der seit 1819 in Gründung befindlichen Freiherrlich von Burgkschen Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke, widmet sich ein umfänglicher Ausstellungsteil der technischen und hierarchischen Entwicklung dieses seinerzeit hochmodernen Montanunternehmens sowie den zugehörigen Unternehmer-Persönlichkeiten. Im authentischen Untertagebereich des zugehörigen Besucherbergwerkes „Tagesstrecke Oberes Revier Burgk“ erfahren Gäste Wissenswertes über den harten Berufsalltag der Bergleute der Burgker Werke sowie zu Sachsens seinerzeit schwerstem Grubenunglück von 1869.

Mit originalen, während der Verwahrung anfallenden Maschinen, Geräten, Ausrüstungs- und Ausbauelementen gestalteten Bergleute des bis 1989 im Döhlener Becken fördernden Bergbaubetriebes der SDAG WISMUT „Willi Agatz“ im Museumsgelände eine originale Untertage-Situation nach. In dieser Bergbauschauanlage sowie im zugehörigen Technikgarten mit ausgedehntem Freigelände, können technische, technologische und soziale Aspekte der letzten, auf Uranerz für Rüstungszwecke zielenden, Bergbauperiode des Reviers entdeckt werden.

Der interessanten Geologie der Steinkohlenlagerstätte unter Freitals Fluren widmet sich der Ausstellungsteil „Faszination Steinkohle“. Als das Freitaler Museum 1924 erstmals seine Pforten öffnete, zeigte es bereits eine Saurierplatte mit dem Abguss mehrerer Reptilien, die nach wechselvoller Geschichte und mehreren Umzügen zusammen mit den Sammlungen des Museums 1946 ihr endgültiges Domizil auf Schloss Burgk fand. Heute in einer separaten Ausstellung präsentiert, begeistern die Wolfssaurier nicht nur als fossile Versteinerung die Besucher. Ein beeindruckendes Panoramabild zeigt die Lebenswelt der Saurier und erklärt damit zugleich anschaulich die, in der Ausstellung auch mit markanten Gesteinsfunden belegten, Prozesse, die im Perm zur Bildung der Steinkohlenvorkommen des Döhlener Beckens führten. Besonders jüngere Gäste begeistern die Exponate, die die Verwandlung der Jahrmillionen alten Pflanzenreste über den Torf, die Braunkohle, die Steinkohle bis hin zum Anthrazit belegen können, wobei auch die Geschichten von Willi Wolfssaurier im Rahmen altersgerechter Führungen Inkohlung und Fossilbildung anschaulich vermitteln. Bei anschließender Besichtigung des Besucherbergwerkes kann das erworbene geologische Wissen dort am Flöz-Aufschluss unter Tage verfestigt werden.

Städtische Kunstsammlung

Die Kunstsammlung der Stadt Freital stellt im Kontext anderer sächsischen Sammlungen insofern einen Sonderfall dar, als dass sie versucht, die Kunstentwicklung einer bestimmten Region innerhalb eines begrenzten Zeitraumes zu dokumentieren. Gemeint sind damit jene sechs Jahrzehnte von 1890 bis etwa 1950.

Der Ansatz zur Kunsterneuerung in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist nicht nur in Dresden, sondern in vielen Städten Deutschlands und Europas nachweisbar. Es war das Zeitalter der „Sezessionen“.

Diese Epoche (1890-1914), die so unterschiedliche Strömungen wie Symbolismus, Jugendstil, Freilichtmalerei und Heimatkunst in sich einschließt, bildet auch den ersten Hauptkomplex der Kunstsammlung. Mit bedeutsamen Werken ist der in Paris am dortigen Impressionismus geschulte Gotthardt Kuehl ebenso vertreten wie der aus Hessen stammende Carl Bantzer, der zu den ersten Malern gehörte, die das reizvolle Dörfchen Goppeln unweit der Landeshauptstadt für sich und ihre künstlerische Arbeit entdeckten. Mehr einem Symbolismus sächsischer Prägung zugewandt waren die kurz nach 1870 geborenen Sascha Schneider, Hans Unger, Richard Müller und Oskar Zwintscher. Einer der Hauptvertreter des deutschen Jugendstils ist in Ludwig von Hofmann zu finden.

Eines der bedeutsamsten Werke, die unmittelbar aus dem Kriegsgeschehen heraus entstanden, ist in dem futuristisch inspirierten „Selbstbildnis als Mars“ (1915) des jungen Otto Dix zu finden. Von Dix befinden sich noch acht weitere Gemälde aus dem Zeitraum von 1911 bis 1940 in der Sammlung und bilden deren Glanzpunkte.

Die „zweite Expressionistengeneration“, deren Hauptschaffen 1919/20 nachweisbar ist, wird durch zwei bedeutende Werke des Malers Hubert Rüther belegt. Weitere herausragende Beispiele der Kunstentwicklung in der Zeit von 1920 bis zum Anfang der dreißiger Jahre sind unter anderem von Fritz Winkler, Erich Fraaß, Johannes Beutner, Ernst Hassebrauk, Otto Lange, Hans Jüchser sowie von Josef Hegenbarth und Ewald Schönberg. Die Künstler der „Sezessions-Gruppe 1919“ und die ihr nahe stehenden Künstler sind somit in großer Vielzahl nachweisbar.

Eine der hochherzigsten Schenkungen ward Freital mit der Übernahme der privaten Sammlung von Hellmuth Heinz. In ihr verbinden sich Arbeiten der Künstler um Dix mit Werken nachfolgender Künstlergenerationen.

Neben dem kostbaren Gemälde- und Grafikfundus verfügt die Freitaler Sammlung auch über eine kleine, aber beachtenswerte Kollektion an Plastik. Namen wie Georg Kolbe, Ludwig Godenschweg, Karl Lüdecke, Fritz Maskos und Christoph Voll müssen hier genannt werden.

Von der nachfolgenden Künstlergeneration der nach 1900 Geborenen beherbergt die Exposition noch bedeutende Beispiele. An erster Stelle sei hier das überlebensgroße „Porträt des Bauern Rehn“ (1951) von Curt Querner genannt.

Die fünfziger Jahre setzten lange einen Schlusspunkt für die Freitaler Sammlung, ohne dass daran dogmatisch festgehalten wurde.

Eine Erweiterung erfuhr die Sammlung seit 1999 mit der Aufnahme von Künstlern und deren Arbeiten, die konkret auf der klassischen Moderne Dresdner Kunst aufbauen. Namen wie A. R. Penck, Siegfried Klotz und Hubertus Giebe sind hier ebenso zu nennen wie Eberhard von der Erde und Volker Stelzmann.

Die „Städtische Kunstsammlung Freital“ unternimmt den Versuch, den Besucher mit einer Zeitspanne Dresdner Kunstentwicklung vertraut zu machen, die zu den bedeutendsten Epochen der Kunstentwicklung in Dresden und darüber hinaus für die deutsche Kunst im 20. Jahrhundert gehört. Die Sammlung sieht sich als Ergänzung zu den bedeutenden Sammlungen in Dresden, die jedoch, bedingt durch ihr Profil, der Dresdner Kunst des 20. Jahrhunderts nicht dieses uneingeschränkte Vorrecht einräumen können.

Stiftung Friedrich Pappermann

Seit 1993 befindet sich die private Kunstsammlung des Dresdners Friedrich Pappermann (1909-1995) in Freital. Sie umfasst ca. 200 Gemälde, die in einer Dauerausstellung präsent sind, und ungefähr 1200 Blatt graphische Arbeiten. Das Sammlungsspektrum umfasst speziell Dresdner Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Den Schwerpunkt der Stiftung bilden Werke jener Künstler, die zwischen Klassizismus und Spätromantik nachhaltige Spuren in der Kunst der Elbmetropole hinterließen. Das bedeutendste Gemälde der Stiftung stammt von der Hand des Romantikers und C.-D.-Friedrich-Freundes Ernst Ferdinand Oehme und zeigt den Rabenauer Grund im Frühling. Neben diesem befinden sich weitere Werke der romantischen Landschaftsmalerei von Carl Gustav Carus, Christian Friedrich Gille, Friedrich Preller d. Älteren und Sohn, Johann Anton Castell und vieler anderer in der Ausstellung.

Einen weiteren Schwerpunkt der Stiftung bildet die gemeinhin als Stilkunst bezeichnete Epoche um 1900. Mit der Reichseinigung und dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg entwickelte sich Deutschland in rasantem Tempo zu einem der stärksten Industriestaaten Europas. Die zunehmende Industrialisierung veränderte Natur, Landschaft und Menschen. Die Künstler reagierten in unterschiedlicher Weise auf die geänderten Bedingungen. Der frische Wind, der seit der Jahrhundertmitte aus Frankreich und Belgien herüberwehte, verfing sich in den starren verkrusteten Strukturen der Akademie. Auch der Zusammenschluss in Gruppen wurde aus Frankreich übernommen. Pate standen Künstlerkolonien wie die von Fontainbleau, Pont-Aven und Pouldu. Nach ihrem Vorbild entwickelten sich auch in Deutschland Künstlerkolonien, von denen einige wie Worpswede (ab 1889), Dachau (ab 1894) oder Darmstadt (ab 1899) Weltgeltung errungen haben.

Ein reizvolles Dorf südwestlich der Landeshauptstadt Dresden wurde in Sachsen zum Ausgangspunkt der Kunsterneuerung – Goppeln. Zahlreiche Werke der „Goppelner“ finden sich auch in der Stiftung, so Gemälde von Carl Bantzer, Paul Baum, Wilhelm Claudius, Sascha Schneider. Zeitweilig arbeiteten auch Robert Sterl und Gotthardt Kuehl in Goppeln.

Breiter Raum in der Stiftung ist dem Schaffen Ludwig von Hofmanns gewidmet. Ähnlich stark vertreten sind Arbeiten Fritz Beckerts, des nach Gotthardt Kuehl wohl bedeutendsten Schilderers von Dresden-Ansichten. Für künstlerische Arbeiten, die zwischen den Kriegen und in der Nachkriegszeit entstanden, stehen Werke von Erich Fraaß, Georg Oehme, Paul Wilhelm, Joachim Heuer, Albert Wigand, Werner Haselhuhn, Max Uhlig, Wilhelm Müller und Dottore.

Schulhistorisches Kabinett

Dem „Lernort Museum“ wird in den Städtischen Sammlungen Freital mit seinen vielfältigen Ausstellungen der klassische Lernort an sich hinzugefügt – das Klassenzimmer. Im Mai 2017 eröffnete das schulhistorische Kabinett erstmals für die Besucher und ist fester Bestandteil im Museumsprogramm der Städtischen Sammlungen Freital. Hier findet sich Vieles, was Schüler- und Lehrergenerationen dazu diente, Wissen anzueignen oder zu vermitteln.

In dem rund fünfundzwanzig Quadratmeter großen Raum können Museumsgäste künftig an bis zu einhundert Jahre alten Schulbänken Platz nehmen, auf Schiefertafeln schreiben und sich in frühere Schulzeiten zurückversetzen lassen. Das richtige Flair dazu bieten ausgewählte Utensilien wie Rechenschieber, Schultafel, alte Karten und allerlei Gegenstände aus der „guten“ alten Zeit – wie Ranzen, Bemmbüchse, Instrumentarien zur chemischen Analyse, Tierpräparate sowie naturwissenschaftliche Modelle oder Messgerätschaften.

Bei einem Besuch des schulhistorischen Kabinetts in den Städtischen Sammlungen Freital können Kinder in die Schulzeit ihrer Groß- und Urgroßeltern eintauchen.