Schülerinnen machen auf Müllprobleme aufmerksam
Wie gelangt eine Plastikflasche ins Meer? Was passiert mit einer weggeworfenen Zigarette in der Umwelt? Und warum ist Glas zwar langlebig, aber dennoch problematisch, wenn es achtlos entsorgt wird? Mit diesen Fragen beschäftigten sich drei Schülerinnen des Weißeritzgymnasiums in Freital.
Leni, Rosalie und Isabel haben im Rahmen des Naturwissenschaftsunterrichts verschiedene Projekte realisiert. Ziel ist es, möglichst viele Menschen auf die zunehmende Verschmutzung der Ozeane und der Umwelt aufmerksam zu machen. Dafür schrieben die Schülerinnen drei Kurzgeschichten über eine Glasflasche, eine Plastikflasche und eine Zigarette. Die Geschichten erzählen den Weg der Gegenstände – von der Herstellung über ihren Gebrauch bis hin zur Verrottung in der Umwelt.
Mit ihrem kreativen Ansatz möchten die Jugendlichen Menschen für das Thema sensibilisieren. Denn Plastikmüll in Flüssen und Meeren sowie Giftstoffe und Unrat in der Natur gehören weltweit zu den größten Umweltproblemen. Viele Abfälle gelangen über Straßen, Parks oder Gewässer in die Natur und schließlich auch in die Ozeane.
Auch in Freital wird auf einen bewussteren Umgang mit Müll aufmerksam gemacht. Die Stadt engagiert sich mit ihrer Antivandalismus- und Sauberkeitskampagne für ein gepflegtes Stadtbild und mehr Umweltbewusstsein.
In diesem Rahmen sind nun auch die Geschichten der Schülerinnen veröffentlicht worden, um noch mehr Menschen für den Schutz der Umwelt und der Weltmeere zu sensibilisieren. Unter www.freital.de/sauber gibt es auch umfassende Informationen zur Kampagne und wie jeder in Freital für ein schönes Stadtbild und eine saubere Umwelt sorgen kann.
Rosalie: Die Plastikflasche
Es ist warm. Heiß, um genau zu sein. Ich verforme mich; meine zähe, erhitzte Plastikmasse verformt sich. Es ist etwas unangenehm, aber okay. Dann wird es endlich kühler. Lange Zeit liege ich einfach nur in der riesigen Industriehalle, bis mein Plastikkörper endlich abkühlt. Mir wird ein Plastikmantel angezogen mit der Aufschrift einer Wassermarke. Dann komme ich unter einen Abfüller. Kühles Wasser strömt in mich hinein. Ein Plastikdeckel wird mir aufgesetzt. Ich heiße Plade. Ich glaube, das kommt aus dem Kürzel von „Plastik" und „Deckel". Ich werde mit fünf anderen Wasserflaschen in eine größere Plastikhülle gepackt. Dann kommen wir auf Holzpaletten und werden in einen Transporter geladen. Als die Klappe geschlossen wird, ist alles um mich herum dunkel. Es ruckelt und poltert. Keine Ahnung, wie lange das so geht. Als die Klappe geöffnet wird, sieht meine Umgebung ganz anders aus. Da sind viele Menschen, die sich in einem Lager tummeln. Mit einem Gabelstapler werden wir herumgefahren und in Regale geräumt. Wenig später gibt es einen lauten Gong. Kurz darauf kommen die ersten Menschen in den Laden. Sie schauen sich nach Lebensmitteln um, die auf ihrer Einkaufsliste stehen. Eine gestresst wirkende Mutter mit Kleinkind auf dem Arm greift nach dem Sechserpack, in dem ich mich befinde. Sie stellt mich achtlos in den Einkaufswagen und ich werde mit Lebensmitteln zugestellt. Ein wenig Zeit vergeht und schon finde ich mich auf einem Kassenband wieder. Es macht einmal laut piep, als ich über den Scanner fahre. Die Frau stellt mich in ihr Auto und eine weitere Fahrt beginnt. Zwischendurch schreit das Kleinkind.
Ich werde am Zielort mit den anderen Produkten ausgeräumt und in der Küche verstaut. Schon am selben Nachmittag werde ich geöffnet. Die Frau gießt meinen Inhalt in vier Gläser und dann lande ich in einem Müllbeutel. Ein paar Tage später werde ich hinaus in eine große gelbe Tonne gebracht und am späten Nachmittag von der Müllabfuhr abgeholt. Ich werde auf eine große Müllhalde gefahren. In der Nacht treiben sich Obdachlose auf der Müllhalde herum auf der Suche nach Plastikflaschen, die sie noch verwenden können. Ich werde ein paar Tage lang immer wieder benutzt, bevor ich achtlos unter einer Brücke liegengelassen werde. Als dann ein starker Regen beginnt, steigt der Wasserspiegel des Flusses an und ich schwimme flussabwärts. Ich weiß nicht wie lange. Vermutlich dauert es Wochen voller Eskapaden, spitzen Felsen und Zwischenstopps an Geäst, das mich im Wasser aufhält. Irgendwann öffnet sich ein Flussdelta vor mir und ich werde in den großen Ozean hinausgespült. Ich treibe eine lange Zeit herum, ehe eine Schildkröte an mir herumknabbert, weil sie mich für eine Qualle hält. Als sie bemerkt, dass ich ungenießbar bin, lässt sie von mir ab. Ich werde in den Golfstrom und zum nordatlantischen Müllstrudel getrieben. Es ist ein schrecklicher Ort. Unter dem Müllteppich sind viele tote Tiere, die sich im Plastik verfangen haben. Soweit mein Plastikkörper schauen kann, ist nur Müll und Plastik zu sehen. Es ist ein erschreckendes Ausmaß. Immer wieder sehe ich in der Ferne, wie sich kleinere Stücke vom Teppich lösen und weiter mit dem Golfstrom treiben. Ich bleibe jedoch stecken. Über Jahrzehnte hinweg zersetzt sich mein Körper ganz langsam in Mikroplastik. Um mich herum hat sich in dieser Zeit immer mehr Müll angesammelt. Ich werde vermutlich bis an mein Ende steckenbleiben, bis ich mich in ein paar hundert Jahren komplett zersetzt habe. Immer wieder knabbern Fische und andere Meeresbewohner an mir herum und ich weiß, dass ich dadurch wieder auf den Tellern der Menschen lande.
Isabel: Die Zigarette
Ein Samen wird gesät. Die Pflanze wächst, hat ein tolles Plätzchen in der Sonne, eine angenehme Wärme. Plötzlich wurde ich von meiner Wurzel abgetrennt und lande in einem Karton. Ich wurde anschließend zerkleinert, gewaschen, gedämpft und geschnitten. Nun werde ich in Zigarettenpapier eingewickelt und lande in einer dunklen Pappschachtel.
Es ruckelt ein bisschen, dann sehe ich nach einem Monat wieder das Tageslicht, endlich! Ich höre das charakteristische Piepen einer Kasse und werde in eine Tasche gepackt. Gleich darauf greift eine Hand in die Schachtel und die Zigarette neben mir wird aus der Verpackung geholt und angezündet, oh nein! Was kann ich nur für sie tun? Eine weitere Hand greift in die Schachtel und nun werde ich ebenfalls angezündet, was für ein schreckliches Gefühl! Meine Beine werden heiß und ich brenne!!! Hilfeeeee! Ich brenne bis nur noch ein kleines Stückchen von mir übrig ist. Ich werde achtlos auf die Straße geworfen. Doch statt mich auszutreten, glimme ich noch eine Weile.
Plötzlich höre ich einen lauten Motor und werde von einem großen Fahrzeug überfahren. Ich bleibe am Reifen kleben. An mir ziehen lange Hügelketten und Seen vorbei. Als wir über eine Brücke fuhren, sah ich eine Glasflasche in der Sonne glitzern, welche den Fluss hinabgeschwemmt wurde. Der Wind ergreift mich, ich werde vom Reifen gelöst und lande auf einem riesigen Müllberg. Plötzlich und ohne Vorwarnung überkommt mich ein Regenschauer. Sobald die kleinsten Rinnsale fließen, werde ich einen Hügel hinuntergespült, weiter in einen kleinen Bach und schließlich lande ich in einem großem, breitem Fluss.
Bereits nach einer halben Stunde ist die Hälfte meines Nikotins ausgewaschen und ich merke, wie ich damit große Wassermengen vergifte. Ich treibe langsam auf das Ufer zu und bleibe schließlich an einem Gebüsch hängen. An diesem Ort verweile ich weitere zwei Wochen, um dann wieder bei dem nächsten hohen Wasserstand weitergespült zu werden, hinaus in den großen, weiten Ozean. Tag für Tag, den ich im Ozean verbringe, werde ich weiter auseinandergenommen, mal ein Stückchen hier, mal ein Stückchen dort treibt von mir weg. Meine Hülle wird über die Zeit rissig, jedoch bleibe ich größtenteils an einem Stück. So vergehen meine Jahre, in denen ich in verschiedenen Ozeanen herumschwirre, mal in den dunkelsten Tiefen, mal ganz weit an der Oberfläche. Nach einigen Jahren lande ich schließlich auf einem riesigen Müllteppich und treibe dort weitere Jahrzehnte meines Lebens entlang. Es dauert mehrere Jahrhunderte, bis ich komplett durch Wellen und Wind, Strömung und Zeit zersetzt wurde. Mein Leben war kurz und schnell verbrannt – doch mein Ende dauerte Jahre.
Leni: Die Glasflasche
Mein Name ist Liam und ich wurde aus Quarzsand, Soda und Kalk geboren. Dieses heiße, flüssige Gemisch wurde geschmolzen und in meine heutige Form gebracht, eine Glasflasche mit schmalem Hals und dickem Körper.
Bald stand ich in einer Reihe identischer Flaschen. Alle waren sauber, klar und bereit benutzt zu werden. Man füllte mich mit Schwarzbier, verschloss mich mit einem Deckel, steckte mich in einen Kasten und schickte mich auf die Reise ins Supermarktregal, wo ich darauf wartete, dass mich jemand kauft. Kurze Zeit später kam ein Mann und nahm mich aus dem Regal, daraufhin folgte ein kurzer Moment im Einkaufswagen, dann wurde ich geöffnet, geleert und achtlos weggeworfen. Mein eigentliches Leben begann erst jetzt... ich landete nicht im Recycling, sondern in einem Mülleimer, der überquoll. Von einer Windböe wurde ich aus der Mülltonne geweht und landete schmerzhaft auf dem Boden, von da an rollte ich einen Hang hinunter und fiel mit einem platsch ins Wasser. Vom Wasser wurde ich mitgerissen und trieb wochenlang vorbei an Fischen, Algen und anderem Müll ins Weltmeer.
Dort konnte ich meinen Augen kaum trauen, denn ich sah nur Wasser weit und breit. Kein Land und unter mir war kein Boden zu sehen, sondern es war einfach nur schwarz. Monatelang trieb ich umher, manchmal sah ich Tiere, manchmal war es einfach nur kalt und nass und manchmal blieb ich an anderem Müll hängen von dem ich mich jedoch wieder lösen könnte. Nach einer Ewigkeit sah ich schließlich etwas, es sah nach Land aus, doch als ich näher hinsah, merkte ich, dass es ganz viel Müll war und vereinzelt ein paar Freunde von mir. Es war so viel Müll, dass ich meinen Augen kaum traute. Ich versuchte noch vorbeizusteuern, doch blieb schließlich auch wie alle anderen vor mir hängen, unmöglich mich jemals zu befreien. Ich wurde traurig, denn anders als vieles Plastik zerfalle ich nicht in unsichtbare Teilchen, die man Mikroplastik nennt. Ich verschwinde auch nicht, sondern bin dazu verdammt, Jahrtausende hier zu verweilen. Eine unvorstellbar lange Zeit...
Über die Jahre wir meine Oberfläche stumpf, Kanten brechen ab und langsam zerreibe ich in kleinere Stücke aus Glas, dann zu Sandkörnern, kaum noch von meinem Ursprung zu unterscheiden. Man sagt, es dauert über 4000 Jahre, bis ich vollständig zurückkehre zu dem, was ich einmal war. Für den Menschen war ich nur für Minuten nützlich. Für das Meer bleibe ich fast für die Ewigkeit.