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Datum: 22.08.2025

Neue Kabinettausstellung: Christoph Voll - Spurensuche der Kindheit

Die Städtischen Sammlungen zeigen in einer Kabinettausstellung frühe Grafiken von Christoph Voll (1897-1939). „Bettelndes Kind“, „Trauriges Mädchen“, „Betende Waisenkinder“, „Sehnsucht“ – das sind die schmerzvollen Titel einer Serie von Kunstwerken, mit denen der gerade zwanzigjährige Künstler versucht, seine Kinderzeit zu verstehen und sich auf Spurensuche begibt.

Die Schau im Projektraum „Drehscheibe“ zeigt eine Auswahl aus der Serie der beunruhigenden und zugleich berührenden, einer fernen Traumwelt entsprungenen Radierungen. Alle Arbeiten sind Leihgaben aus einer hiesigen Privatsammlung. Sie ist ab dem 24. August 2025 geöffnet. Am 13. September findet um 11:00 Uhr ein Gespräch in der Sonderausstellung statt. Am 26. Oktober gibt es um 14:00 Uhr im Rahmen einer Finissage eine Abschlussführung durch Konrad C. Heinze.

Informationen zur Ausstellung

Der Bildhauer, Grafiker und Aquarellist Christoph Voll hatte eine traurige Kindheit. Sein Vater, ein Bildhauer, starb wenige Jahre nach der Geburt des Sohnes und die Mutter gab die Kinder in fremde Pflege. Dadurch verbrachte Voll den größten Teil seiner Kinderzeit in der Kinderbewahranstalt oder im Waisenhaus. Die dort vorherrschende Gefühllosigkeit und Strenge führten zusammen mit der Angst vor Ausgeliefertsein und Verlassenheit zu einer jahrelangen Traumatisierung.

Mit 14 Jahren nahm ihn seine mittlerweile in Potschappel lebende Mutter wieder auf und ermöglichte ihm die ersehnte Bildhauerlehre, die er von 1911 bis 1915 in Dresden absolvierte. 18-jährig meldete er sich 1915 in den Krieg. 1919 kam er nach Dresden zurück und wurde an der Akademie der Bildenden Künste der Einzelschüler von Selmar Werner. So kam Christoph Voll auch mit den jungen Künstlern der gerade gegründeten Dresdner Secession Gruppe in Kontakt und wurde deren Mitglied. Doch schon 1924 verlässt er Dresden endgültig und wird Professor in Saarbrücken.

In jener kurzen Dresdner Zeit entstanden etwa 35 expressive Kaltnadelradierungen in splittrig-sperriger Formenauflösung und mit sehr vereinfachten Umrissen. Voll entwickelt mit ihnen einen markanten frühen Stil und prägte damit auch die expressionistische Dresdner Grafik. Doch anders als der ebenfalls von der Front heimgekehrte Otto Dix verarbeitete er nicht seine traumatischen Kriegserlebnisse, er arbeitete die schmerzliche, verlorene Kindheit auf, reflektiert seine Erinnerungen an eine Zeit der Einsamkeit, Verlorenheit und unerfüllten Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit. Mit diesen „autobiografischen“ Radierungen hat Christoph Voll das bestimmende Thema seiner Druckgrafik gefunden. Nach seinem Weggang aus Dresden wird es keine Fortsetzung geben.

Informationen zu den Städtischen Sammlungen

Die Städtischen Sammlungen Freital gehören zu den größten nichtstaatlichen Museen des Freistaates Sachsen. Das einstige Rittergut Burgk - seit dem 14. Jahrhundert als Herrensitz bekannt - beherbergt heute einen Museumskomplex mit unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkten.

Im Hauptgebäude wird der über 450-jährige Steinkohlenbergbau der Region in unterschiedlichen Facetten dokumentiert. Darin eingebettet finden sich maßgebliche Aussagen zur Stadt- und Regionalgeschichte. Eine nachgestaltete Untertagesituation im Nordflügel des Objektes dokumentiert den WISMUT-Bergbau der Jahre 1945 bis 1989. Ein zugehöriger Technikgarten lässt in Form einer Freiluftpräsentation den Bergbau der unmittelbaren Nachkriegszeit wieder aufleben. Das einzige Besucherbergwerk zur Dokumentation des frühindustriellen Steinkohlenbergbaus Sachsens befindet sich im Park des Komplexes.

Den zweiten bedeutenden Schwerpunkt setzen zwei hochkarätige Sammlungen zur sächsischen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Städtische Kunstsammlung zeigt insbesondere Werke, die im Zeitraum von etwa 1890 bis 1950 entstanden sind. Glanzpunkte bilden neun Gemälde von Otto Dix. Auch der gesamte Umkreis des Künstlers ist mit Werken von Wilhelm Lachnit, Pol Cassel, Conrad Felixmüller, Otto Lange, Curt Querner, Ewald Schönberg und vielen anderen hervorragend vertreten. Die Lehrer der Dix-Generation werden durch bedeutende Werke von Carl Bantzer, Gotthardt Kuehl, Richard Müller, Sascha Schneider, Ludwig von Hofmann und Oskar Zwintscher vorgestellt. Daneben gelingt mit der Stiftung Friedrich Pappermann die Darstellung der Dresdner Kunstentwicklung von der Gründung der Königlichen Kunstakademie im Jahre 1764 bis zur unmittelbaren Gegenwart.

Ein Schulhistorisches Kabinett, der romantische Park, das Schlosscafé, die Säle und der Erlebnisspielplatz „Burgkania“ runden das vielfältige Angebot ab.

2024 feierten die Städtischen Sammlungen Freital ihr 100-jähriges Bestehen.


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