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Datum: 29.06.2026

Wenn Zwerghühner Vertrauen lehren

Vor Kurzem wurde im Rahmen des Frühlingsfestes im Hort der Lessing- Grundschule Freital ein besonderes pädagogisches Projekt erstmals öffentlich vorgestellt: die Etablierung tiergestützter Pädagogik sowie der dazugehörige mobile Hühneranhänger.

Im Mittelpunkt standen die frisch geschlüpften Küken, die nicht nur für große Begeisterung sorgten, sondern Kindern die Möglichkeit geben, Entwicklung unmittelbar mitzuerleben und Verantwortung von Anfang an aktiv zu übernehmen. Bereits im Vorfeld konnten die Kinder den gesamten Prozess intensiv begleiten: Über einen Zeitraum von 21 Tagen beobachteten sie die Entwicklung der Eier im Brutautomaten bis hin zum Schlupf. Dabei erlebten sie täglich, wie Leben entsteht, zeigten große Rücksichtnahme und entwickelten spürbare Vorfreude. Es wurde viel erzählt, gefragt und gelernt – ein Prozess, der nicht nur Wissen vermittelte, sondern auch Geduld, Achtsamkeit und Verantwortungsgefühl stärkte.

Hier am Schulhort in Potschappel soll die tiergestützte Pädagogik bewusst etabliert und weiter ausgebaut werden. Ziel ist es, Kinder dort abzuholen, wo sie aktuell stehen, ihnen verlässliche Beziehungserfahrungen zu ermöglichen und sie in ihrer emotionalen Entwicklung gezielt zu unterstützen. Dabei stehen insbesondere die Förderung von Empathie, Selbstregulation und Verantwortungsübernahme im Fokus.

Tiergestützte Pädagogik ist dabei weit mehr als ein ergänzendes Angebot: Tiere reagieren unmittelbar, ehrlich und wertfrei. Kinder erleben, dass ihr eigenes Verhalten eine direkte Wirkung hat – Ruhe führt zu Nähe, Unruhe zu Distanz. Diese Erfahrungen schaffen nachhaltige Lernprozesse, die sich positiv auf den Alltag, das Sozialverhalten und die Selbstwahrnehmung der Kinder auswirken.

Die fachliche Konzeption, der Aufbau sowie die Umsetzung des Projekts liegen in den Händen von Sophia Förster, Fachkraft für tiergestützte Intervention im Hort. Gemeinsam mit der Hortleitung, Vera Lindner, sowie der stellvertretenden Hortleitung, Madeleine Schemainda, hat sie das Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren entwickelt und aufgebaut. Grundlage dafür bilden ihre umfassenden Erfahrungen aus ihrer selbstständigen Tätigkeit im Bereich „NaMeTi – Natur. Mensch. Tier, tiergestützte Pädagogik in Freital“. Auch das gesamte Team ist in die Versorgung der Hühner eingebunden und trägt das Projekt gemeinschaftlich mit.

Die Finanzierung einer Voliere, die gemeinsam mit den Kindern gestaltet wurde und den Tieren einen geschützten Rückzugsraum bietet, konnte vollständig durch Spenden realisiert werden, die der Förderverein im Rahmen des Frühlingsfestes gesammelt hat. Mit großem Engagement und Unterstützung der Besucher konnte die benötigte Gesamtsumme erreicht werden.

Für die Haltung steht ein professioneller mobiler Hühneranhänger zur Verfügung, der alle Anforderungen an eine tiergerechte Unterbringung erfüllt. Bei der Anschaffung wurde bewusst auf die Kriterien der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz geachtet, um das Wohl der Tiere nachhaltig zu sichern. Ebenso werden alle fachlichen und hygienischen Standards im Umgang mit den Tieren konsequent eingehalten – ein aufwendiger Prozess mit vielen Hürden, der von der Hortleitung und allen Beteiligten bewältigt werden musste.

Inzwischen haben die – schon zu kleinen Hühnern herangereiften elf Küken – ihren Stall bezogen und können die Voliere nutzen.

Die Stadt Freital unterstützt die Entwicklung dieses Projekts finanziell wie organisatorisch und setzt sich dafür ein, tiergestützte Pädagogik perspektivisch stärker in der Einrichtung zu verankern. Die positive Resonanz zeigt deutlich, welches Potenzial in diesem Ansatz liegt und wie wertvoll solche Erfahrungsräume für Kinder sind. Auch die Grundschule ist involviert und kann davon positive Impulse mitnehmen, wie auch die Eltern, die beispielsweise für eine Fütterung und Fürsorge der Hühner am Wochenende mit eingebunden werden.

Insgesamt soll das Thema Tiere im Hort weiteren Raum einnehmen. So konnte bereits 2024 mit Unterstützung des Trägers ein Aquarium angeschafft werden. Im pädagogischen Alltag zeigt sich dabei besonders die beruhigende Wirkung der Fische. Das Beobachten der Tiere wirkt auf viele Kinder entspannend und ausgleichend. Gerade unruhige oder gestresste Kinder finden am Aquarium häufig Momente der Ruhe und Konzentration. Die stille Beobachtung schafft einen geschützten Rahmen, der emotionale Regulation fördern und zur Entspannung beitragen kann.

Außerdem befindet sich der Hund Milo, aktuell 7 Monate alt, in Ausbildung zum Begleithund und kann bei bestandener Prüfung inklusive Wesenstest voraussichtlich ab April 2027 und nach Klärung mit dem Veterinäramt im Projekt mitarbeiten. Es ist vorgesehen, seinen Einsatz schrittweise an die bereits bestehenden Erfahrungen mit Vorgängerhund Quentin anzuknüpfen, der die tiergestützte pädagogische Arbeit in der Einrichtung in der Zeit von 2023 bis 2025 begleitet hat. Die damaligen Erfahrungen zeigten, dass insbesondere der regelmäßige Kontakt mit dem Hund positive Impulse für das soziale Lernen, die emotionale Entwicklung sowie den Aufbau verlässlicher Beziehungen setzen konnte.

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