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Leni: Die Glasflasche

Mein Name ist Liam und ich wurde aus Quarzsand, Soda und Kalk geboren. Dieses heiße, flüssige Gemisch wurde geschmolzen und in meine heutige Form gebracht, eine Glasflasche mit schmalem Hals und dickem Körper.

Bald stand ich in einer Reihe identischer Flaschen. Alle waren sauber, klar und bereit benutzt zu werden. Man füllte mich mit Schwarzbier, verschloss mich mit einem Deckel, steckte mich in einen Kasten und schickte mich auf die Reise ins Supermarktregal, wo ich darauf wartete, dass mich jemand kauft. Kurze Zeit später kam ein Mann und nahm mich aus dem Regal, daraufhin folgte ein kurzer Moment im Einkaufswagen, dann wurde ich geöffnet, geleert und achtlos weggeworfen. Mein eigentliches Leben begann erst jetzt... ich landete nicht im Recycling, sondern in einem Mülleimer, der überquoll. Von einer Windböe wurde ich aus der Mülltonne geweht und landete schmerzhaft auf dem Boden, von da an rollte ich einen Hang hinunter und fiel mit einem platsch ins Wasser. Vom Wasser wurde ich mitgerissen und trieb wochenlang vorbei an Fischen, Algen und anderem Müll ins Weltmeer.

Dort konnte ich meinen Augen kaum trauen, denn ich sah nur Wasser weit und breit. Kein Land und unter mir war kein Boden zu sehen, sondern es war einfach nur schwarz. Monatelang trieb ich umher, manchmal sah ich Tiere, manchmal war es einfach nur kalt und nass und manchmal blieb ich an anderem Müll hängen von dem ich mich jedoch wieder lösen könnte. Nach einer Ewigkeit sah ich schließlich etwas, es sah nach Land aus, doch als ich näher hinsah, merkte ich, dass es ganz viel Müll war und vereinzelt ein paar Freunde von mir. Es war so viel Müll, dass ich meinen Augen kaum traute. Ich versuchte noch vorbeizusteuern, doch blieb schließlich auch wie alle anderen vor mir hängen, unmöglich mich jemals zu befreien. Ich wurde traurig, denn anders als vieles Plastik zerfalle ich nicht in unsichtbare Teilchen, die man Mikroplastik nennt. Ich verschwinde auch nicht, sondern bin dazu verdammt, Jahrtausende hier zu verweilen. Eine unvorstellbar lange Zeit...

Über die Jahre wir meine Oberfläche stumpf, Kanten brechen ab und langsam zerreibe ich in kleinere Stücke aus Glas, dann zu Sandkörnern, kaum noch von meinem Ursprung zu unterscheiden. Man sagt, es dauert über 4000 Jahre, bis ich vollständig zurückkehre zu dem, was ich einmal war. Für den Menschen war ich nur für Minuten nützlich. Für das Meer bleibe ich fast für die Ewigkeit.