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Datum: 23.05.2024

Vor 50 Jahren: Letzte Straßenbahn in Freital

Heute verkehren moderne Busse in Freital. Zwischen 1902 und 1974 gehörte auch die Straßenbahn mit Personen- und Güterverkehr zum vertrauten Straßenbild. Schon lange vor Freitals Stadtwerdung hatten Industrialisierung und Urbanisierung ab 1855 mit der normalspurigen Albertbahn Dresden-Tharandt sowie mit den Schmalspurbahnen ins Osterzgebirge ab 1882 und ab 1886 in den Wilsdruff-Nossener-Raum zu infrastrukturellem Anschluss geführt. Noch vor 1900 entwickelte man, zeitgleich mit ersten Vereinigungsbestrebungen der Landgemeinden des Plauenschen Grundes, für den Arbeiterverkehr Pläne einer Pferdestraßenbahn und einer Schwebebahn, die jedoch wie die eines Straßenbahnnetzes vom Weißeritztal bis auf umliegende Höhen scheiterten.

Schließlich wurde im Jahr 1900 eine elektrisch betriebene Straßenbahn durch das Weißeritztal genehmigt, für deren Energieversorgung zuvor das „Elektrizitätswerk im Plauenschen Grunde“ errichtet worden war. Ab dem 7. Oktober 1902 beförderte die Straßenbahnlinie 22 täglich durchschnittlich 3.500 Fahrgäste und verband mit ihrer 7.028 Meter langen Strecke die Landgemeinden Deuben (seit 1921 Freital) und Plauen (seit 1903 Dresden zugehörig). Ein Straßenbahndepot entstand nahe dem heutigen Busbahnhof im Kreuzungsbereich Dresdner Straße, Hüttenstraße. Unter wachsendem Fahrgast-Aufkommen verlängerte man die Strecke 1912 bis zum seinerzeit industriell bedeutsamen Coßmannsdorf (seit 1933 Hainsberg zugehörig) und schuf damit in Kombination mit modernen Eisenbahn-Hochdämmen und -Bahnhöfen, kreuzungsfreie Verkehrsknotenpunkte für Personen- und Güterverkehr.

Zusätzlich zum Straßenbahn-Personenverkehr überführte man mittels Güterbahn, ausgehend von den am Straßenbahndepot neu errichteten Eisenbahn-Überladerampen, Normalspur-Güterzugwaggons mit Rollwagen. Einzige Nutzer des zwischen Potschappel (seit 1921 Freital) und Hainsberg (seit 1964 Freital zugehörig) auf 3.920 Meter Länge verlegten Dreischienengleises (Spurweiten-Kombination von Straßenbahn 1.450 Millimeter und Güterbahn 1.000 Millimeter) und der anschließenden Güterbahngleise, waren zwischen 1906 und 1972 die Eger-Mühle und die Lederfabrik Sohre in Deuben.

Mit 8.960 Meter Streckenlänge erreichte die 1961 im Zusammenhang mit den im Rabenauer Grund ausgetragenen Weltmeisterschaften im Wildwasserrennsport und Kanuslalom letztmalig verlängerte Straßenbahn ihre größte Ausdehnung. Langjährig als Linie 22 bis nach Dresden-Laubegast verkehrend, fuhr sie nach 1950 als Linie 12 zwischen Freital-Hainsberg und Dresden-Kleinschachwitz/-Niedersedlitz sowie als Linie 3 zwischen Freital-Deuben/Hainsberg und Dresden-Tolkewitz/-Wilder Mann.

Der 1966 in Dresden einsetzende Fahrbetrieb mit modernen Tatra-Straßenbahnen erforderte perspektivisch kostenintensive Streckenumbauten, welche in Freital nach vorübergehendem Einsatz von Triebwagen aus den 1920er Jahren aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt wurden, zumal parallel 30-minütig getakteter Eisenbahn-Personenverkehr bestand. Mit der Umstellung von Straßenbahn- zu Busverkehr erhielt der bis nach 1989 mit Dresdner Nahverkehrstarif nutzbare Bus, im Volksmund teils als „Alte Drei“ bezeichnet, die Liniennummer 3A. Seit 1992 nur noch als Freitaler Stadtbuslinie A verkehrend, wird das Fahrgastaufkommen heute von der Freitaler Stadtbuslinie 160 bedient, deren Streckenverlauf überwiegend noch dem des vor 50 Jahren eingestellten Straßenbahnverkehrs folgt.

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