Aprilscherz mit ernstem Hintergrund
Start für erneuten Abbau von Steinkohle in Freital? Reaktivierung von alten Bergbauanlagen im Stadtgebiet? Ein neues Kraftwerk auf dem Gelände des „Sächsischen Wolf“ im Zentrum? Mit diesen Ideen und einer Bürgerbeteiligung anlässlich der aktuellen energiepolitischen Herausforderungen und der gesetzlichen Vorgabe, bis 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen, hat die Stadtverwaltung die Freitaler gestern in den 1. April geschickt.
Oberbürgermeister Uwe Rumberg: „Auch wenn es sich um einen Aprilscherz handelt, so sind doch die dahinterliegenden Themen bittere Realität. Die wirtschaftliche Lage unseres Landes ist beängstigend. Auch in Freital stehen traditionsreiche Industriebetriebe unter massivem Druck, was bereits zu Schließungen oder Insolvenzen führte – mit gravierenden Folgen für Arbeitsplätze, Zulieferer, Kaufkraft und das soziale Gefüge. Zu den Hauptursachen gehören hohe Energiepreise und zunehmende Bürokratie durch eine ideologiegetriebene und völlig einseitige Energie- und Klimapolitik, die utopische Blüten wie kommunale Wärmeplanungen treibt. Die wirtschaftliche Realität vieler Unternehmen, der Kommunen und auch der Bürger wird völlig ausgeblendet. Wir brauchen eine klare Kurskorrektur mit bezahlbarer und stabiler Energie, um die kommunale und industrielle Basis wieder auf solide Füße zu stellen und den gesellschaftlichen Frieden zu wahren.“
Was den Aprilscherz anbelangt, so haben diesen viele schnell erkannt – sich aber amüsiert oder beeindruckt von der kuriosen Idee gezeigt. Reaktionen wie „Spielt zur Eröffnung dann die Band Kraftwerk?“, „Baut angesichts der radioaktiven Steinkohle lieber ein Atomkraftwerk!“, „Tschaka und Glück auf Genossen, so klappt's mit der Energiewende!“, „Wenn das stimmt, wird sich bestimmt gleich eine Bürgerbewegung gründen." oder „Kommt auf das Gelände dann auch die Wendeschleife der Straßenbahnlinie 3?“, „Was für eine tolle Idee. Rauchende Schornsteine gehören einfach zum Freitaler Stadtbild dazu.“, „Bergbau und Wismut – alte Traditionen, an die man anknüpfen sollte.“ sowie „Tolle Idee, getreu dem Stadtmotto: Inmitten der Möglichkeiten!“ zeugen von Humor und Kreativität, aber auch Begeisterung und Identifikation.
Bei der Bürgerumfrage zu acht verschiedenen – natürlich nicht von Architekten sondern von einer KI generierten – Entwürfen, hat sich klar das „Kraftwerk als Energie-Themenpark“ mit einer Mischung aus Technikmuseum & Freizeitpark inklusive Achterbahn durch den Kühlturm, Escape-Room im Kontrollraum, Energie-Erlebnis-Labor für Kinder und Aussichtsgondel auf dem Schornstein durchgesetzt. Platz zwei belegte das Kraftwerk, das komplett unter einem künstlichen begrünten Hügel gebaut und als Parkanlage mit Bäumen, Wanderwegen und Aussichtspunkt angelegt wird. Auf Platz drei schaffte es das „Kraftwerk als Kultur-Kathedrale“ mit Konzertsaal in der Turbinenhalle, Lasershow-Schornsteinen und Besucherplattform.
„Ich möchte mich bei allen, die sich auf den Scherz eingelassen haben, bedanken – und gleichwohl zur Wachsamkeit aufrufen, denn der nächste 1. April kommt bestimmt. Und das oft schneller als man denkt – insbesondere, wenn man sich manche Ideen aus Dresden, Berlin oder Brüssel anschaut. Da würde man sich wünschen, dass sie nur ein schlechter Witz sind“, so Oberbürgermeister Uwe Rumberg mit einem Augenzwinkern.