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Freitals Weg zum Stadtzentrum Teil III - Windbergpark und Neumarkt

Auf dem Neumarkt wird der Charakter Freitals als Bandstadt sehr deutlich, denn hier treffen zentrale Funktionen unmittelbar auf den Naturraum. Über allem thront der Windberg als Hausberg der Stadt. Mit dem Bereich des Neumarkts befasst sich auch die erste, bereits erwähnte Planung eines Stadtzentrums, die als Modell in den Städtischen Sammlungen im Schloss Burgk betrachtet werden kann. Realisiert wurden einzelne, an der Dresdner Straße liegende Gebäude.

Die heutige Gestalt des Platzes und des Parks ist geprägt von den verheerenden Folgen des Hochwassers 2002. Von der Kraft der Weißeritz zerstört, setzte in den folgenden Jahren ein intensiver Entwicklungsprozess ein. Die Stadt wirkte hier zum einen koordinierend auf eine Vielzahl von beteiligten Akteuren. Zum anderen konnten auf der Grundlage einer Gesamtplanung Städtebaufördermittel akquiriert und kombiniert mit Eigenmitteln eingesetzt werden.

Im Vordergrund stand zunächst das Thema Hochwasserschutz. Die Landestalsperrenverwaltung realisierte in Absprache mit der Stadt 2011 bis 2014 eine sogenannte Retentionsfläche, sodass der Windbergpark im Hochwasserfall als Überflutungsfläche fungiert und trotzdem ein nutzbarer Teil der Innenstadt ist. Gleichzeitig hat er ökologische Qualitäten durch den Erhalt von Gehölzen aus den ehemaligen Kleingärten, neue Pflanzungen und extensiv bewirtschaftete Wiesen. Der Hüttengrundbach wurde offengelegt, renaturiert und in das gestalterische Konzept eingebunden. Der Klangspielgarten und der Matsch-Spielplatz ergänzen das Angebot. Daneben bieten Bänke und der Uferplatz Aufenthaltsmöglichkeiten.

Sitzplätze finden sich auch unter der 2019 eingeweihten begrünten Pergola, die zum urbanen Teil überleitet. Sie schafft den Übergang vom Landschaftsraum zur modernen, mehrfach nutzbaren Platzfläche für Parken, Märkte und Veranstaltungen. Insbesondere die Nutzung im Rahmen der Feierlichkeiten zur 100-Jahr-Feier ist sicher in guter Erinnerung geblieben. Aber auch die alltägliche Nutzbarkeit zeigt sich in dem gut etablierten Wochenmarkt auf dem Neumarkt.

Die Verknüpfung zu den ursprünglichen Plänen von 1923 wurde künstlerisch gestaltet und befindet sich als Bronzerelief auf der Sichtbetonstele am Kunstwerk „Tauziehen“. Dazu schreibt der beauftragte Künstler Olaf Stoy: "Die Figurengruppe ist als Kommentar zum Zustand unserer Gesellschaft zu verstehen. Schon beim Entwurf schwebten mir zwei auseinanderstrebende Kräfte vor, die durch ein Element verbunden bzw. zusammengehalten werden. Insofern lag die Thematik des Tauziehens nahe. Das Tauziehen ist eine alte Mannschaftssportart, die dem Kräftemessen zweier Mannschaften dient. Dabei sind Kraft, Ausdauer, Technik und mentale Stärke gefragt. Der Tau- oder Seilziehwettkampf hat sich aus antiken Zeremonien und Kulthandlungen entwickelt. Damals war es ein Symbol für den Kampf zwischen Gut und Böse. Bei der Gestaltung meiner Figuren spiele ich aber auch auf das tägliche Ringen um demokratische Lösungen, Chancengleichheit sowie die Ambivalenz zwischen Gegen- und Miteinander an.“

Die „Bespielung“ der Pergola mit kulturell-künstlerischen Angeboten und Veranstaltungen wurde durch die Pandemie ausgebremst und hat leider bisher kaum wieder Fahrt aufgenommen. Nichtsdestotrotz birgt die vielfältige Nutzbarkeit von Windbergpark und Neumarkt das Angebot an die Stadtgesellschaft, sich diesen Ort anzueignen – als Teil des Zentrums.

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