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Datum: 08.03.2022

Neue Sonderausstellung auf Schloss Burgk

Die Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk zeigen vom 5. März bis 18. April 2022 eine neue Sonderausstellung. Titel: „Ins Licht. Streifzüge durch die Bergbaufotografie im Döhlener Becken“. Dazu gibt es ein abwechslungsreiches Begleitprogramm.

Das Gesicht der Freitaler Region vor den Toren Dresdens hat sich in den letzten 200 Jahren durch die Einflüsse des Bergbaus und seiner Begleitindustrien radikal gewandelt. Noch um 1800 pilgerten zahlreiche Künstler der deutschen Romantik in das reizvolle Tal des Plauenschen Grundes, um die eindrucksvollen Aussichten zwischen den schroffen Felswänden auf Grafiken und Gemälden einzufangen und in der Idylle der bäuerlichen Siedlungen den schwelgenden Gedanken in Versen und Erzählungen Ausdruck zu verleihen. Nur 50 Jahre später war das Tal geprägt von den rauchenden Schloten zahlreicher Fabriken und Industrieanlagen und ihre Zahl wuchs ständig weiter. Das Futter für die Dampfmaschinen und Hochöfen lieferte der Steinkohlenbergbau des Grundes. Aus zahlreichen Schächten förderten die Kohlenbergleute das „schwarze Gold“ aus den dunklen Tiefen. Dem Kohlenbergbau folgte ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Gewinnung uranhaltiger Sedimente.

Am 11. November 1989 verließ der letzte Güterzug mit Uranerz den Bergbaubetrieb „Willi Agatz“ in Dresden-Gittersee und besiegelte damit das Ende der traditionsreichen Bergbautätigkeit. Die nun bereits 30 Jahre andauernden Sanierungsarbeiten der bergbaulichen Hinterlassenschaften sind noch nicht abgeschlossen und sorgen für einen fortdauernden Landschaftswandel. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts widmeten sich professionelle Lichtbildner und ab 1900 mit der allgemeinen Verbreitung der Fotografie auch zunehmend Hobbyfotografen dem Thema der Bergbaufotografie in der Region und schufen so zahlreiche Bilddokumente, die Einblicke in die verborgene Arbeitswelt der Bergleute ermöglichten. Die Ausstellung „Ins Licht“ präsentiert eine Auswahl von rund 250 Fotografien aus über 150 Jahren der bergmännischen Tätigkeit. Neben zahlreichen historischen Aufnahmen aus dem Archiv der Städtischen Sammlungen Freital werden auch Bilder zeitgenössischer Fotodokumentaristen gezeigt.

Die ältesten erhaltenen Fotos entstanden um das Jahr 1870 und dokumentieren wichtige Persönlichkeiten des hiesigen Montanwesens, bedeutende Ereignisse sowie wesentliche technische Neuerungen. Der Pionier der untertägigen Bergbaufotografie Heinrich Börner fertigte zwischen 1892 und 1894 in den Steinkohlenguben Fotografien von realitätsnah inszenierten Untertagesituationen für zwei bergmännische Repräsentationsalben an, die über die Grenzen Sachsens hinaus Bekanntheit erlangten. Die erhaltenen Fotografien des 19. Jahrhunderts belegen häufig einen konkreten Auftragskontext ihrer Entstehung. Berufsfotografen fertigten die Aufnahmen meist zu besonderen Anlässen für eine spezielle Verwendung an.

Ab Beginn des 20. Jahrhunderts wandelten sich die Hintergründe der Bildentstehungen. Nun gewannen auch Aufnahmen aus persönlichen Motiven der Amateurfotografen zunehmend an Bedeutung. Als wichtige Dokumentaristen der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts sind Reinhard Gnausch, Martin Görtz, Richard Mäde und Paul Schulz zu nennen. Auch nach dem zweiten Weltkrieg blieb die individuelle Initiative ein wesentlicher Faktor der erhaltenen Bergbaufotografien. Ausgenommen davon war jedoch weitgehend der Uranbergbau, dessen Betriebsflächen und Aktivitäten einer gewissen Geheimhaltung unterlagen und sich so der Dokumentation durch Privatpersonen entzogen. Hervorzuheben sind in dieser Periode die Aufnahmen von Hans Werner und Siegfried Huth, die besonders durch ihre künstlerischen Bildkompositionen auffallen.

Die zeitgenössischen Bergbauaufnahmen widerspiegeln die veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen ab den 1990er Jahren. Die Einstellung des Bergbaus und die zunehmende Öffnung der Betriebsanlagen für öffentliche Interessenten boten zahlreiche Möglichkeiten der Fotodokumentation. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten, die erhaltenen Bergbaudenkmale und die wiederaufblühende bergmännische Traditionspflege sind wesentliche Motive der aktuellen regionalen Bergbaufotografie.

Ein separater Bereich der Ausstellung gewährt Einblicke in Bildthemen der regionalen Bergbaufotografie. Die Bildmotive beinhalten unter anderem die Tätigkeiten von Frauen im Bergbau, geologische Strukturen und Objekte der Region, die landschaftlichen Einflüsse des Bergbaus und die eingesetzte Bergbautechnik. Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei überregionale Bereiche, in denen Aufnahmen aus den Anfängen der Bergbaufotografie und aktuelle Fotos anderer Montanreviere präsentiert werden.

Begleitprogramm

  • 29. März 2022, 18.00 Uhr, Festsaal: Uranerzbergbau der Wismut AG im Döhlener Becken, Vortrag von Dr. Silvio Stute
  • 2. April 2022, 9.30 Uhr, Schlosshof: Auf den Spuren des Bergbaus von Freital-Burgk nach Boderitz, Geschichtliche Wanderung mit Dr. Silvio Stute
  • 5. April 2022, 18.00 Uhr, Festsaal: Steinkohlenbergbau im Döhlener Becken, Vortrag mit historischen Glasdiapositiven von Diplom-Museologe Wolfgang Vogel
  • 12. April 2022, 18.00 Uhr, Festsaal: Fotografie im Bergbau – Geschichte und Gegenwart, Vortrag von Diplom-Geologie-Ingenieur Jens Kugler

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Zutritt erfolgt gemäß der zum Zeitpunkt der Veranstaltung gültigen Corona-Schutz-Verordnung. Besucher informieren sich bitte vorab über etwaige Beschränkungen.